Etappe 2: Von Berlin nach Hamburg

Tag 11

Dienstag, den 18.07.

Von Potsdam nach Arendsee

Nach einem schönen Familienwochenende fahren wir heute gegen 1100 los nach Potsdam. Ich wollte noch meine Gasflasche auf dem Campi tauschen, allerdings gab es nicht die passenden Flaschen – so muss ich weiter suchen. Gaby und ich besuchen das Babelsberger Filmgelände. Eintritt: 22. – Euro – völlig überteuert für das was geboten wird. Wenn ich das vergleiche mit dem Europapark in Rust , ist das hier in Babelsberg nur Pillepalle.

Um 1530 bringe ich meine Guutdste auf den Zug und bin jetzt wieder mit Bullibär allein auf Tour.  Wir starten nach Arendsee ( laut Navi 168 km )  Wir brauchen wegen des dichtzen Verkehrs allein aus Potsdam heraus über eine halbe Stunde. Dann läuft es wieder….B2, A 10, B 5, B189 und schließlich B190. Bis auf die vielen Umleitungen wieder wunderbares Cruisen auf den gut ausgebauten Bundesstraßen.

Heute ist wirklich „Zeitreise“ angesagt! Ich fahre über Osterburg und dort in die Kirchstraße, wo mein Großvater mütterlicherseits eine Praxis hatte und meine Mutter aufgewachsen ist. Ich finde das Haus – und bin entsetzt! Ich kenne es noch von alten Bildern und wusste, dass es noch während der DDR Zeit umgebaut worden war zu einer Poliklinik. Und heute? Graue Fassaden, eingeschlagene Fenster, „billig zu verkaufen“ steht auf einem Schild. Hier hat sich seit der Wende nichts, aber auch gar nichts getan. Das Haus hatte die Gemeinde übernommen für den Klinikumbau und nach der Wende bekam meine Mutter einen symbolisch (niederen ) Betrag für die Enteignung. Heute steht es leer und meine Mutter würde sich im  Grabe umdrehen, wenn sie ihr Elternhaus so sehen würde. Nur schnell weiter! Noch 30 Km bis Arendsee, und dort wartet morgen der nächste Zeitreiseschritt: Das Seegrundstück, dass einst meinem Opa gehörte. Was ist wohl aus ihm geworden? Ich bin schon sehr gespannt.

Fotos: Babelsberg und Osterburg

 

Tag 12

Mittwoch, 19.07.

Von Arendsee zur Insel Poel

Der Entschluss war schnell gefasst: Ich blieb keinen Tag länger in Arendsee. Der Stein meines Großvaters war gefunden und abgehakt. Der Campingplatz inmitten eines Kiefernwaldes riss mich nicht vom Hocker. Also los gen Norden. Ich cancelte Waren an der Müritz, die hatten sowieso keinen Platz für mich, und fuhr direkt nach Norden . Wittenberge, Schwerin und Wismar. Die B 189, B5 und schließlich die AB 14. Der Tag begann wieder mit vielen Umleitungen. Ich fuhr Kreise in der Altmark. Mindestens 25 Km lang, da hieß es Ruhe bewahren. Im Sommer werden die Straßen neu geteert. Endlich Wittenberge, wo ich meine Gasflaschen in einem Baumarkt tauschen konnte, und schließlich Wismar, wo ich meinem Bulli was zu trinken gab. Er brauchte immer noch nur 10 Liter trotz Stadtverkehr Potsdam! Je näher wir Poel kamen, desto voller wurde es. Am ersten Wohnmobilstellplatz wurde ich empfangen mit den Worten: „Der Bus ist ja nett, aber die Aufkleber sind Scheiße!“ Aha. Danke – nein! Schließlich in Timmendorf an der Westküste gelandet. Eine Riesenanlage für Wohnmobile und – es gab sogar Platz und Strom! Tolle Sache. Ich habe den nördlichsten Punkt meiner Zeitreise erreicht! Ich düste mit meinem Fahrrad durch die Dünen und erkundete die landschaftlich wirklich schöne Insel. Die Etappenziele Waren und Prerow habe ich ausgelassen , nun habe ich etwas mehr Zeit für die schönen Dinge und Orte, die da noch kommen werden.

Fotos: Kilometerstandschnapszahl, Insel Poel

Tag 13

Donnerstag, 20.07.

Von der Insel Poel nach Scharbeutz

In der Nach gab es ein heftiges Gewitter mit Starkregen. Heute Morgen glitzerten jedoch die Pfützen wieder in der  Sonne. Wir packen zusammen und fahren, nein, bummeln los nach Wismar mit dem schönen Hafen und der malerischen Altstadt. Dann geht es über die B 105 in Richtung Lübeck und weiter in Richtung Scharbeutz. Ziemlich viel Verkehr verzögert die Anfahrt auf dem großzügigen und weitläufigen WoMoStellplatz in Scharbeutz. Ganz neue Anlage! Ich kann mir den Platz aussuchen. Strom inkl.
Der „Wohnmobilhafenmeister“ sitzt vor seinem Büro , raucht E-Pfeife und blickt auf sein Reich. Ich frage wegen der Anmeldung, er verweist auf die Öffnungszeiten: Morgens 10-11, abends 6-7. Ok, es war 1400 und er wohl außer Dienst. Nach einem sehr ausgedehnten Mittagsschläfchen nach anstrengender Radtour gehe ich am Abend um 1930 nochmals zu ihm. Er sitzt immer noch vor dem brandneuen Office an der EPfeife.
„Hallo, Herr WoMohafenmeister,“ grüße ich ihn etwas salopp, „kann ich mich denn jetzt bei ihnen anmelden ?“
„Wir machen ja die Öffnungszeiten nicht, um Euch zu ärgern,“ war seine lapidare Antwort, „sondern wegen der Arbeitsstunden.“
??? – „Nächste Möglichkeit ist dann morgen zwischen 10 und 11.“
So sind sie die Hafenmeister, nicht nur in den WoMoHäfen, auch in den Sportboothäfen. Gestern in Poel derselbe Typ, genauso gestrickt, nur an anderer Stelle. Ich wollte die Kosten für ein Schiff erfragen für eine Nacht. Er sah mich an, als ob er mich fressen wollte. „Hängt aus!“ mehr nicht. Irgendwie erinnern mich diese Leute an Hausmeister. Sichersehr nützliche und unbedingt wichtige Personen, aber sie sehen dies ge-nau-so!
Sie fühlen sich als Gralshüter , als Schlüsselverwahrer und als – next to God – Allesbestimmer in ihrem Reich. Und benehmen sich auch so. Sie glauben zu wissen, dass ohne sie nix geht. Nun ja. Jetzt ernte ich wahrscheinlich einen Shitstorm. Hausmeisterhasser. Hafenmeistermobber.
Ich kenne von dieser Spezies auch sehr nette im Übrigen. Es geht nämlich, wenn man will. Gehört nur etwas Flexibilität dazu und Fingerspitzengefühl und Menschenfreundlichkeit. Hat halt nicht jeder.

So und was war noch? Eine Fahrradtour durch ein sehr mondänes Timmendorfer Strand. Exklusivste Hotels. Porschestützpunkt. Rolexadel. Sehen und gesehen werden. Preise entsprechend. Aber ich werde nicht noch ein Fettnäpfchen öffnen in diesem Beitrag. Eines reicht pro Tag. Scharbeutz ist etwas weniger elitär, wenn auch immer noch sehr hip. Aber irgendwie netter.

Die Strände sind hier übrigens gebührenpflichtig. Das Betreten des Strandes kostet 3.50€. Für unsereins, der das wilde Campen an Griechenlands herrlichen Stränden gewohnt ist, umsonst übrigens, erscheint dies wie ein schlechter Scherz. Es gibt alle hundert Meter einen Strandwächter, der aufpasst, dass kein „wilder Strandbenutzer“ seinen Fuß auf den heiligen Strand setzt. Als Kenner griechischer Strände kann ich über diesen Strand nur die Nase rümpfen. Algen, trübes Wasser (Cyanobakterien), man kann keinen Meter tief gucken, muss 200 Meter rein um überhaupt schwimmen zu können. Und dafür soll ich Eintritt bezahlen? Ach so, ich vergaß ja noch ein wichtiges Detail: Der Strandkorb! Ohne diesen geht gar nichts. So einen Strandkorb muss man bei Betreten des Strandes  natürlich unbeding mitbuchen. 5.- € für den Nachmittag. Dann sind wir schon bei 8.50 € für das Badevergnügen.  Geh ich doch lieber zu Hause in den Pool. Der ist wenigsten sauber. Ach ja, dieser Strandwächter….aber das Thema hatten wir heute schon (s.o.)

Fotos: Standplatz Scharbeutz, Strand bei Scharbeutz

 

Tag 14

Freitag,, den 21.07.

Von Scharbeutz nach Hamburg

Da die Arbeitsstunden des WoMoHafenmeisters nun mal nicht die Meinen sind und ich nicht warten wollte bis 1000, habe ich kurz entschlossen die Knete (13 Euro inkl. Kurtaxe) abgezählt in einen Umschlag gesteckt, „Viele Grüße vom blaugelben Bulli“ draufgeschrieben, ihn an die Tür des Büros getaped –  und habe abgelegt.

Mit Schäfchenwolken am blauen Himmel – wie könnte es schöner sein – sind wir dann die 80 Km auf der A1 nach Hamburg runtergebummelt. Um 1000,  der Hafenmeister müsste gerade den Umschlag gefunden haben, waren wir schon in der Hansestadt angekommen. Erster WoMoStellplatz (übrigens über stellplatzfinder.info) in der Leopoldstraße war voll. Also weiter, alles auf eine Karte gesetzt, und wir sind an den Fischmarkt in Sankt Pauli gefahren. Dort gibt es ebenfalls einen WoMoStellplatz, allerdings ohne jeglichen Service – aber wer braucht den schon, wir haben doch alles dabei. Eine exklusive Lage: Vor uns fließt die Elbe, zur Linken grüßt die Elbphilharmonie, rechts die Docks und hinter uns der Michel. Auf ging’s zur Erkundung!

Das Rad ist wirklich ein tolles Fortbewegungsmittel, mit dem man sich schnell und unkompliziert bewegen kann, insbesondere in solch überfüllten Innenstädten wie Hamburg eine hat. Fotoshooting an der Elbphilharmonie, den Speicherstädten und den Landungsbrücken. Dann ein mir schon lange selbst vesprochenes Muss: DieErlebniswelt mit der Modelleisenbahn in der Speicherstadt. Die meistbesuchteste Ausstellung in Deutschland, wie ich dann erfahren konnte: Über 15 Mio Besucher jährlich!

In drei Stunden war ich durch, d.h., ich konnte einfach nicht mehr stehen. Ich hätte noch locker die doppelte Zeit in dieser phantastischen Ausstellung verbringen können, so viel gab es zu sehen! Die Züge sind eigentlich nur die Hintergrunddeko für Szenerien, die mit so viel Hingabe und Detailgenauigkeit und -verliebtheit gebaut worden sind, wie ich es noch nirgends gesehen habe. Man hätte Stunden vor so einer Szene verbringen können, und man hätte immer noch ein neues Detail entdeckt. Ob das eine Kirmes war, oder ein Oktoberfest oder ein Rockkonzert oder – noch detaillierter – die Bergung eines verunglückten Autos aus einem Fluss, oder die Kriminalpolizei bei einer Leiche in einem Bach , oder – auf die Spitze getrieben – das Liebespaar im Wald, das von einem Spanner beobachtet wird, oder die beiden Nackten im Sonnenblumenfeld…man kann überhaupt nicht aufhören zu schauen und zu staunen. Aber irgendwann ist dann das Aufnahmevermögen erschöpft und man sehnt sich nach Ruhe für die Augen – eine tiefgrüne Wiese wäre jetzt das Richtige zum Draufschauen. Mitten im Hamburg aber .. doch, die gibt es! Sankt Pauli hat einen wunderschönen grünen Park unter der Alster.

Nachmittags schaue ich in der Grillbar „Strand Pauli“ rein, die sich direkt neben dem Stellplatz meines  Bullis befindet. Gesichts- und Taschenkontrolle am Eingang. Drinnen Strandatmosphäre mit Blick auf die Elbe. Mehrere Bars, Sitzgruppen mit tiefen Kissen, rauchende Grills, Liegestühle, Sonnenliegen, usw. Hier trifft man sich zum Nachmittagsbier oder einfach nur zum Abhängen und chillen. Coole location! Nach meiner täglichen Medienarbeit werde ich dort wohl heute Abend ein verdientes Bierchen zu mir nehmen.

Hamburg ist eine geile Stadt. Das Ambiente hier an der Elbe gefällt mir ausnehmend gut. Die Klinkerbauten, die Grünanlagen, die gepflegten Anlagen und der starke Puls der Stadt, den man überall spürt, fasziniert mich vom ersten Augenblick an.  Morgen werde ich mich mit meinem Schwager und meiner Schwägerin treffen. Mein Bulli und ich werden also noch einen Tag länger hier am Fischmarkt Station machen.

Fotos: Flugplatz in der Erlebniswelt, Fischmarkt, Landungsbrücken, Elbphilharmonie, Strand Pauli

 

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