Halbzeitbilanz

Nach zwei Etappen liegt die Hälfte meiner Zeitreise hinter mir. 1500 Km haben der Bulli und ich abgespult, 14 Tage liegen hinter uns. Vor uns, wenn alles gut geht, nochmal dasselbe.

Der Schwung der ersten Woche hat in der zweiten nachgelassen. Ich war nicht mehr so offen für Kontakte, war oft mit mir selbst beschäftigt, zu sehr von der Spurensuche nach meinen Vorfahren abgelenkt. Nach Arendsee wollte ich den turnaround schaffen, wieder durch den Kontakt mit neuen Leuten und  Gegenden in die Spur kommen. Irgendwie ist mir das bis heute nicht gelungen. Woran liegt es?

Noch immer bin ich ein Getriebener. Für mich gilt ganz klar der Spruch „Der Weg ist das Ziel“. Wenn ich mit dem Bulli unterwegs bin, dann geht es mir gut, dann könnte ich die Welt umarmen. Irgendwo auf einem Stellplatz angekommen, radle ich die Umgebung ab, fast schon hektisch, schieße Fotos, mache Videos und lade sie auf den Rechner. Dann ist es meistens schon abends, noch schnell was essen und dann in die Koje. Frühmorgens bin ich wach und kann es kaum erwarten, wieder unterwegs zu sein. Nirgendwo hat es mich länger gehalten. Lag es an meiner inneren Unruhe? Oder an der doch manchmal sehr spießigen Campingplatzatmosphäre? Mutti im Schlabberjogginganzug, Vati in Unterhemd und Adidashose, das Blümchen am Wohnwagenfenster, den Fußabtreter schön sorgfältig vor den Eingang gelegt… Deutschland deine Camper. Außer chillen und grillen nichts gewesen? Mir fehlt der Impuls, mit solchen Leuten ins Gespräch zu kommen. Doch will ich die deutsche Camperseele wirklich erforschen, dann muss ich mit ihnen reden.

Vor mir liegt Friesland. Cuxhaven, Bremen, Tamstedt und dann weiter nach Münster und in den Pott. Ich habe Lust auf diese Landschaften, die Städte und ihre Bewohner, möchte ihnen offen begegnen. Es bleibt spannend.

Einen ganz lieben Klaps muss ich meinem Bulli auf die Haube geben: Er lief ohne irgendwelche Probleme, jeden Tag, ohne zu mucken, einfach ein guter Freund, auf den man sich verlassen kann. Hoffentlich bleibt das so. Immer ein Ohr im Motorraum und im Getriebe, das andere auf der Straße. Toitoitoi.

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Von Steinen in Funklöchern

In Arendsee bin ich in einem Funkloch gelandet. Internetempfang 1 Kreis Edge. Damit lässt sich nicht mal mehr eine Whatsapp Nachricht schicken.  Es blieb mir nichts übrig als „auf Vorrat“ zu schreiben und am nächsten Tag , also heute, den Beitrag einzustellen. Nirgends sonst kam ich mir so im „Osten“ vor wie in Arendsee. Ganz unabhängig vom Internet, waren hier die Bürgersteige hoch geklappt, keine Menschenseele auf der Straße, kein Geschäft offen, Gasthäuser? Da musste man erst mal suchen.  Und NETTO! Netto scheint allgegenwärtig zu sein in den ehemaligen Bundesländern. Geht man rein, kommt es einem vor, als beträte man ein Lager, wo Aldi alldie Produkte aussortiert hat, die sich nicht mehr verkaufen lassen.  Mangels Alternative muss man dann wohl in den sauren Apfel beißen, wenn man für ebendies etwas braucht.

Apropos „suchen“… nach Arendsee bin ich gekommen , um einen Stein zu finden.

Mein Großvater mütterlicherseits hatte an diesem See, der durch einen eingestürzten Salzstock entstanden ist, ein Wochenendgrundstück. Darauf hatte er einen alten Eisenbahnwaggon gestellt als Unterkunft. Sehr zünftig. Am Seezugang hatte er einen Monolithen aufgestellt. ein Granitstein mit ziemlichen Ausmaßen, ungefähr 1.5 x 2 Meter, geschätztes Gewicht 3 – 4 Tonnen. Darauf ließ er einen Spruch von Viktor  von Scheffel einmeißeln:

„ Von der Hochalpen Kuppen, dem ewigen Schnee,

von der Gletscher Schuttwall und Eise,

bis zum Urmeer, des Rest auch dieser See,

ging meine erratische Reise.“

Ein altes Foto meiner Mutter hatte ich mit genommen , um den Stein wieder  zu erkennen . Ich wusste nur ungefähr , wo das Grundstück lag und fuhr vorsichtig mit dem Fahrrad die Uferpromenade entlang, die Seegrundstücke zur Linken immer im Auge.

Fast wäre ich dann doch vorbeigerauscht – aber da stand er!

Direkt hinter dem Zaun, die Inschrift neu eingemeißelt und mit schwarzer Farbe nachgezogen!

Vollbremsung! Das Gelände war eingezäunt, keine Chance zum Stein zu gelangen ohne Hausfriedensbruch zu begehen. Also die Kamera gezückt und den Stein auf den Chip geladen. Irgendwas in mir wollte zum Stein hin, ihn berühren, aber ich wendete mich ab. Er war da, wo er hin gehörte, wem er gehörte? Niemandem. Er war einfach ein Stück der Natur. Ich stieg aufs Fahrrad , warf einen letzten Blick zurück und kehrte zum Bulli zurück – man muss loslassen können.

SteinSchrampe1

 

Bulli meets Bulli – mit vier Generationen dazwischen!

Durch Zufall kam ein Leipziger Ehepaar – Jürgen und Heike – gleichzeitig mit mir im Himmelreich an. Seither teilen wir uns unseren Platz an der Wasserfront. Sie mir ihrem niegelnagelneuen T6 Camper und ich mit meinem Oldie. Zwischen den Fahrzeugen liegen 46 Jahre VWBus-Geschichte! Was für eine glückliche Fügung , dass diese beiden Bullis jetzt so einträchtig nebeneinander zu stehen kamen! De Zufall hat schon tolle Überraschungen parat!

Genial finde ich, dass unter dem Seitenspiegel bei dem „Neuen“ auch noch der Schriftzug „Bulli“ in edlem Chrom angebracht ist. Manche Begriffe sind halt für die Ewigkeit gemacht. Bestimmt haben sich die Beiden einiges zu erzählen. Der Alte hat natürlich bedeutende mehr Er-fahrung, die der Junge erst noch machen muss mit seinen 350 Km auf der Scheibe, dann kann der Alte nur lachen: Kannste nochmal 3 Nullen hinzuschreiben, wird er sagen!

Der technische Vergleich muss hinken – natürlich – drüben stehen 150 PS bei 2 tonnen Lebendgewicht, Einspritzer, 4-Zyl.Diesel, Verbrauch so ca. 6-8 Liter bei (meiner!) Fahrweise, hier stehen 50 PS bei gleichem Gewicht, 4Zyl. Boxer Vergaser, Verbrauch: STOLZ!! 10 Liter , wer’s nicht glaubt, dem zeige ich die Tankquittungen!

Die Innenausstattungen sind eigentlich vergleichbar, die in meinem Bulli ist halt 40 Jahre älter. Herd, Kühlschrank, Spüle, Dusche, Hochstelldach, Schrank, Doppelbett. Meins ist 20 cm breiter – ätsch!  Aber der Junge kann bestimmt  noch was lernen von dem „Alten“, mit den Jahren kommt die Er-fahrung – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ikarus, Daedalus und Phoenix

Kennt ihr aus der griechischen Mythologie die Geschichte von Ikarus und Daedalus? Hier die Kurzfassung: Daedalus und sein Sohn Ikarus wollten aus der Gefangenschaft in Kreta fliehen und Daedalus konstruierte ihnen aus Federn und Wachs ein Paar Flügel, mit denen sie über dasAegaeische Meer fliehen wollten. Das klappte auch ganz gut, nur Ikarus wurde übermütig und flog zu hoch, daraufhin schmolz das Wachs , die Federn lösten sich und er stürzte ins Meer , ungefähr dort, wo heute die Insel Ikaria ist.

So ähnlich ging mir das ja auch mit der Drohne. Zu übermütig, zu wenig Übung , Crash.

Vorgestern Nacht konnte ich nicht schlafen. Vieles ging mit durch den Kopf. Ich war unruhig und merkte, dass ich irgendwie noch nicht in meinem Projekt angekommen war Ich stand neben mir und sah mir zu, wie ich agierte,wie in einem Film. Der Drohnencrash war auch ein Zeichen dafür, dass ich Dinge unüberlegt machte. Ich musste unbedingt ruhiger werden , gelassener, konzentrierter. Plötzlich , es war 0130 Uhr, erinnerte ich mich an diesen Film „Der Flug des Phoenix“, wo es darum ging, dass ein paar verirrte Abenteurer in der Sahara ein Flugzeugwrack finden, dass eigentlich noch funktionsfähig war, sie dieses reparierten und sich damit aus ihrer Notlage retteten. Phoenix aus der Asche. Was das nicht auch auf meine Drohne anwendbar. Noch mitten in der Nacht begann ich eine Bestandsaufnahme: Was war irreparabel kaputt, was konnte ich mit Bordmitteln reparieren und wie würde das Ergebnis aussehen? Das sah doch gar nicht so schlecht aus….

Also: Die Kamera inklusive des Gimbal Motors wurden beim Absturz von der Drohne abgerissen, die Kabel lagen blank, Teile des Gimbals waren verloren oder kaputt. Das konnte ich nicht reparieren. Die Halterung des vorderen rechten Koptermotors war komplett abgebrochen, der Motor hing nur noch an den Kabeln. Das war der kritischste Punkt. Die Klappe für den Akku ließ sich nicht mehr schließen. Das war kein Problem. Und – ich hatte noch einen kompletten Satz Ersatzpropeller! Ich wurde so aufgeregt , dass ich kaum wieder einschlafen konnte. Am nächsten Morgen startete das Projekt „Phoenix“!

Ich radelte in einen Baumarkt und besorgte mir Epoxykleber und kleine Pinsel zur Reparatur der Motorhalterung, die ich vorher schon provisorisch mit Kontaktkleber so ungefähr in der richtigen Position fixiert hatte. Doch zuvor, damit nicht alle Arbeit umsonst war: Der Motorentest. Und tatsächlich, der abgebrochene Motor drehte noch! Ich brachte auf die Bruchstellen zwei Lagen Epoxy auf und ließ 24 Stunden aushärten. Bombenfest! Ich reparierte die Klappe mit drei Schrauben und 1 Gummi und ich brachte den GoPro-Standfuss mit zwei Kabelklemmen an der noch vorhanden Gimbalhalterung an. Die GoProKamera ließ sich nun upsidedown anbringen. Und nun der Probeflug mit Kamera und Aufnahme: Lasst Euch überraschen:

Besonderes und Alltägliches

In den Blogbeiträgen werde ich immer wieder mal Beiträge posten, die mit einem Besonderen Erlebnis verbunden sind und nicht unmittelbar mit dem Verlauf der Zeitreise zusammen hängen.

Im Logbuch werde ich, sofern ich Internetzugang habe,  über die Erlebnisse des Tages mit Fotos und/oder Videos berichten. Chronologisch betitelt mit Tag, Datum und Strecke von nach…

Dies nur zur Info, damit jeder weiß wo er welche Beiträge findet.

Drohnencrash!!!

Was nicht passieren durfte, ist nun doch passiert: Ich habe die Drohne geschrottet!
Kein Fehler des Gerätes, sondern ein Fehler des Piloten. Wie ist das passiert?
Herrlicher Parkplatz in den Haßbergen. Situation vor Ort: Weites Weizenfeld
abgetrennt vom Parkplatz mit Bäumen, die etwas 8m auseinander stehen.
Drohne rausgeholt, alles gecheckt: Ok, 11.6V Ladung, sollte reichen.
D. hebt ab fliegt raus über das Weizenfeld in 20 m Höhe. Angle-Modus, also
Pilotenmodus. Auf einmal Alarm: Nur noch 10,3V, und das nach 10 sec Flugzeit!
Also schnell umgedreht und zurückgeflogen, auf mich zu also. Kenner wissen, was
jetzt kommt: Anfängerfehler! Im Angelmodus muss man jetzt spiegelverkehrt denken
und steuern! Die Drohne kommt dem von mir aus linken Baum beim Landeanflug
etwas zu nahe, ich nervös wegen der geringen Spannung (nur schnell landen!),
denke: Die Drohne muss mehr nach rechts von mir aus und schiebe den Hebel für
die Seitenflugsteuerung nach rechts. Die Drohne macht von ihr aus gesehen einen
Satz nach rechts, nach links natürlich von mir aus, und kracht in den Baum. Absturz!
Kamera abgerissen, Akku aus der Halterung raus gebrochen, rechter vorderer
Koptermotor abgebrochen:
Totalschaden!
Ich stand unter Schock. Das waren einige hundert Euro, die da gerade geschreddert
wurden. Sch……!!!!!
Ich stehe noch immer unter Schock, aber das Fazit ist eindeutig:
Ich hatte zuwenig Flugerfahrung. Immer nur auf die Drohne geschaut, nicht ins
Display wie sonst üblich im Pilotmode. Und dann war die logische Folge die Rechts-
LInks-Verwechslung.
Für eine neue Drohne fehlt das Geld.
Ich muss also, so sehr es schmerzt, mich von meinen hochfliegenden Plänen mit
den Drohnenvideos verabschieden .
Nun ist wieder Basisarbeit angesagt. Fotoapparat , iPhone und die GoPro bleiben
als Medienausstattung . Jetzt liegt es an mir, mit diesen Mitteln das Beste aus mir
und aus den Geräten raus zu holen, um das Projekt noch zu einem positiven
Abschluss zu bringen. Bitte wünscht mir Glück!

Von den Staufern in Schwaben zu den Goten in Maintaubern

Start heute Morgen war um 0830 und es ging über Pforzheim , Bretten, Sinsheim, Mosbach über die herrlich zu fahrende B27 an TBB  vorbei und dann über die Felder und Orten wie Poppenhofen und Oberwitzighausen nach Ochsenfurt und auf das KNAUScamp in Frickenhausen. Die Fahrt : Ohne Probleme.

Zufällig fuhr ich an der Burg Steinsberg vorbei und kam in den Genuss einer historischen Burgführung. Frau Erika Behaghel alias Johanna von Oettingen führte die Gruppe sehr gekonnt in die Geschichte der Staufer, Pfenniger und Oettinger ein, die hier Burgherren waren. Die Burg wird auch der Kompass vom Kraichgau genannt, weil man von hier quasi den ganzen Kraichgau überblicken kann.

Nach dieser ungewollten aber sehr willkommenen Abwechslung tauchte ich dann in der Pampa des Maintauberkreises in Oberwitzighofen in die römische Kapellenbaukunst ein. Auch hier mehr Zufall. Meine Navifrau wollte es so und dirigierte mich auf abenteuerlichen Wegen durch die Weizen und Sonnenblumenfelder des Maintauberkreises – ein Genuss weit ab von jeder AB und Stadt: Ruhe und Entspannung pur. Ich bin gespannt, was der Zufall morgen für mich bereit hält!